HTPC

22.12.2016 zurück

Mein HTPC die eierlegende Wollmilchsau

Dieses Projekt liegt leider schon einige Zeit zurück, weshalb ich nicht ganz detailliert auf die vielen verschieden Einstellungen eingehen kann…auch bei der Hardware hat sich mittlerweile bestimmt wieder einiges getan.

Ich hab schon seit einigen Jahren verschiedene Mini-PC‘s als Media Center im Einsatz. Los ging alles mit einem Odroid X3 der hatte damals mehr Dampf als sein Konkurrent der Pi, aber eine kleinere Community die sich um neue Programme und Betriebssysteme bemüht. Nach ein paar Jahren bin ich auf den Raspberry Pi 2 umgestiegen. Die Lösungen für den Pi sind benutzerfreundlicher, fertige Images (RaspBMC, OSMC, OpenElec, etc…) bei denen man sich um fast nix mehr kümmern muss.

Doch auch hier gibt es immer wieder Einschränkungen die mich stören und die ich Mangels Linux Kenntnisse nur sehr schwer beheben kann. Deshalb kam ich zu dem Schluss, einen eigenen HTPC zu bauen, der mehr meinen Vorstellungen entspricht.
Dieser soll auf jeden Fall alle anderen Geräte die sich so unterm Fernseher tummeln ersetzen. Heißt Spielkonsole, Blue-Ray Player, Festplatten-Receiver und Mediacenter in einem Gerät.
Als Software will ich KODI und als Betriebssystem Windows 10, denn mit beidem komm ich gut klar und kann bei Fragen auf eine große Community zugreifen. Bedienen will ich das Mediacenter mit der Fernbedienung und mit einem Controller, da es ja auch als Spielkonsole genutzt werden soll.

Das sind die Vorgaben, jetzt muss die passende Hard- und Software her.

Das Motherboard:

Da ich in den letzten Jahren mit den Platinen PC’s nicht schlecht gefahren bin, habe ich mich bei der Suche auf Motherboard’s beschränkt, bei denen alles drauf ist. Heißt Prozessor, Soundkarte und Grafikkarte OnBoard.
Es gibt mittlerweile viele solcher Board’s die speziell für Multimedia ausgelegt sind.
Meine Wahl fällt auf das J4205-ITX von Asrock. Das hat genügen Leistung um meine alten PC Spiele zum Laufen zu bringen, unterstützt durch einen Trick 4k am HDMI Ausgang (quasi HDMI 2.0) und hat genügend sonstige Schnittstellen. Das Einzige was man zum Motherboard dazu bestellen muss, ist der passende Arbeitsspeicher. Hier nehme ich 2 Mal 4GB HyperX Impact DDR3L-1866.

Das Gehäuse:

Fast so wichtig die das Board ist das Gehäuse, auch hier habe ich lange gesucht. Eigentlich sollte es sehr schlicht werden. Es sollen 3-4 Festplatten rein passen und das BlueRay-Laufwerk. Dabei soll es so klein wie möglich bleiben und in liegender Ausrichtung unter dem Fernseher ins Sideboard passen. Entschieden habe ich mich am Ende für das Raven Z2 von Silverstone. Das ist nicht ganz so schlicht wie geplant, erfüllt aber alle anderen Anforderungen.

Gedacht ist das Gehäuse für 2 x 3.5“ Platten und 2 x 2,5“ Platten. Allerdings nur, wenn man kein optischen Laufwerk verbaut hat. Am Gehäuse selbst habe ich dann ein paar Modifikationen vorgenommen, jetzt passen 3 x 3,5“ und 2 x 2,5“ Festplatten sowie ein optisches Laufwerk rein.
Ich habe unter anderem auf das Netzteil verzichtet und verwende stattdessen eine Pico PSU -90 zur Stromversorgung. Dadurch habe ich mehr Platz und auch keinen Lüfter im PC.

Laufwerke:

Für das Betriebssystem kommt eine SSD Festplatte zum Einsatz mit 64GB. Zum Speichern der Medien nehme ich 2 x 3TB Western Digital green/blue und als Blue-Ray Laufwerk ein Samsung SN-506BB/BEBE. Das optische Laufwerk muss ein Slim sein, hier ist die Auswahl recht begrenzt, wenn man nicht arm werden will. Ich habe mich für das günstige Samsung entschieden, würde ich aber nicht nochmal machen, denn das Teil ist irre laut. Wirklich schade, denn im normalen Betrieb höre ich den HTPC nicht, aber das Laufwerk hört man sogar noch im Flur. Zum Glück kommt es wirklich selten zum Einsatz.

TV Karte oder wie baue ich einen TV Server:

Mit der TV Karte will ich den Festplatten Receiver ersetzen.

Aber kurz gesagt: TV Karten sind alle scheiße und zum Teil sogar noch teuer. Ich habe mich oft über die schlechte Software auf meinem Fernseher geärgert, aber im Vergleich mit so mancher TV Karte ist er wirklich gut.

Ich habe aber eine andere Lösung gefunden, wir sehen sehr wenig fern, sind mehr Freunde von Medien OnDemand. Aber Tatort am Sonntag und die eine oder andere Sendung, Fußball, Wahlen etc. will man doch sehen. Deshalb habe ich den jetzt übrig gebliebenen Raspberry Pi zum TV-Server umfunktioniert.

Dafür braucht man in meinem Fall nur einen DVB-C USB Stick, die gibt’s mittlerweile ab 20Euro bei Amazon. Auf dem Pi läuft eine einfache Linuxdistribution (Raspbian) und die Software TVHeadEnd. Ob der Stick unter Linux funktioniert kann man schnell in dieser Liste nachschauen. Mein Tuner (TechnoTrend TT-TVStick CT2-4400 V2) hat sich leider trotzdem noch etwas geziert, hier muss man erst irgendwelche dubiosen Befehle eingeben, um den Empfänger von DVB-T auf DVB-C zu stellen.
Alles was ihr dafür braucht, findet ihr hier.

Ich würde aber beim nächsten mal einen anderen Tuner nehmen. Vielleicht einen mit Ci Kartenslot.
Das tolle an dieser Lösung ist, dass ich jetzt mein Kabelsignal auf alle Endgeräte streamen kann. Man kann auf dem Handy, Tablet, PC, Fernseher, oder auch unter KODI einen PVR Client installieren und das Signal abgreifen. Für den parallelen Zugriff gilt weiterhin, dass man pro Client einen Tuner braucht. Ein weiterer Vorteil, mit dem TV Server kann ich automatische Aufnahmen per Suchbegriff definieren. Bedeutet das der Pi z.B. jeden Tatort aufnimmt der auf einem der eingestellten Sender ausgestrahlt wird. Die Aufnahmen werden direkt auf meinem NAS abgelegt. Dort benenne ich sie um und schiebe sie gesammelt auf das Mediacenter. Wirklich eine feine Sache.

Infrarot Empfänger:

Damit bei einem HTPC „couch feeling“ aufkommt ist es für mich wichtig, dass ich die Fernbedienung in der Hand hab und nicht mit Maus oder Tastatur arbeiten muss. Realisiert habe ich das, mit dem Atric IR-WakeupUSB eco v1.2. Der Atric hängt an einer internen USB-Schnittstelle und setzt die empfangenen Signale auf den USB um. Zur weiteren Verarbeitung nutze ich die Software Event Ghost. In Event Ghost kann man abhängig davon welcher Befehl empfangen wird z.B. einen Tastenanschlag simulieren oder ein Programm öffnen, die Maus bewegen, etc. Als Fernbedienung nutze ich übrigens die OnForAll URC 7140. Natürlich kann man den Empfänger auch auf seine normale Fernseher Fernbedienung anlernen. Da ich den Rechner auch als Spielkonsole benutzen möchte kommt auch noch ein USB Wireless Controller von CLS (F210) zum Einsatz. Im Gehäuse gibt es noch 2 LED’s. Eine der beiden habe ich durch die Rückmeldediode des Atric ersetzt, so dass ich sehe, ob der Befehl der Fernbedienung am PC ankommt.

Da ganze sieht dann so aus:

gelb: Mainboard
türkis: Blue-Ray Laufwerk
grün: Rückmeldediode des Atric
rot: SSD Festplatte
blau: Atric IR-WakeupUSB
pink: Pico PSU 90
weiß: freier Platz für 3,5″ Festplatte da Netzteil eingespart

Pico PSU und die Platine des Atric

Für den Sensor des Atric bohre ich neben dem Power-Knopf ein Loch ins Gehäuse.

Auf der anderen Seite im Gehäuse bohre ich 4 Löcher um neben der normalen Halterung für die Festplatte noch eine zweite Festplatte zu befestigen. Diese Platz ist eigentlich für eine Grafikkarte bestimmt.

Das Gehäuse passt gut unter den Fernsehr ins Sideboard.

Software:

Nachdem ich alles zusammengeschraubt habe, geht es ans Einrichten.
Um den Atric in Betrieb zu nehmen muss man nur den mitgelieferten Treiber installieren.
Der Atric kann dann über das PlugIn in Event Ghost ausgewählt werden.

Wie schon gesagt, nutze ich die Software Event Ghost um die Befehle der Fernbedienung in Aktionen auf dem PC umzusetzen. Dafür habe ich die OnForAll Konfiguriert wie meine originale Fernbedienung von Samsung. Nur für die Tasten ROT, GRÜN, GELB und BLAU habe ich andere Befehle programmiert, die außer dem PC kein anderes Gerät versteht. An der OneForAll benutze ich den Kombimode um den Fernsehe/PC und die Soundbar gleichzeitig zu bedienen. Auf die Laut- und Leise-Taste reagiert jetzt nur die Soundbar, auf z.B. den Aus-Knopf reagiert der Fernseher und der PC (geht in Ruhemodus) auf die Rote Taste reagiert nur der PC (simuliert das Drücken des Power-Knopf). Ich habe jedem Code der Fernbedienung in Event Ghost den Namen der Taste gegeben und so ein Abbild der Fernbedienung angelegt.

Danach habe ich für jedes Fenster/Programm welches ich bedienen möchte eine Kopie dieses Zeichensatzes erstellt und unter Context Folder eingefügt. Hier verknüpfe ich jetzt abhängig von der Applikation die entsprechenden Tasten.

Zuletzt definiere ich die Umschalter, welche abhängig davon was ich starte den entsprechenden Zeichensatz aktivieren und die anderen deaktivieren.

Als zentrale Software für mein Mediacenter verwende ich KODI 18 (Leia). Ich versuche alle Funktionen des HTPC über die Kodi Oberfläche erreichbar zu machen oder zu integrieren. Diese Freeware hat eine große Communitiy und erfreut sich großer Beliebtheit. Ich kann hier dass Forum Kodinerds.net empfehlen, da man hier auch viel Hilfe zum Drumherum bekommt.
Als Skin in Kodi nutze ich Estaury MOD V2, hier kann ich alle Anpassungen machen die ich benötige. Ich lege Kodi gleich im Autostart von Windows ab, damit es immer gleich mit startet. Kodi ist zur Bedienung mit Tastatur oder Controller ausgelegt. Lässt sich also auch sehr gut über meine Fernbedienung bedienen.

Zur Einrichtung von Kodi gibt es viele Anleitungen, wie man seine Filme und Serien von lokalen oder Netzlaufwerken einbindet. Deshalb gehe ich darauf nicht ein. In meinem Hauptmenü tauchen allerdings 4 Punkte auf, welche nicht unbedingt zum Standard gehören.

Netflix & Co.:

Leider lässt sich Netflix nicht so leicht in Kodi integrieren. Die bisherigen Versuche werde mittlerweile nicht mehr supportet. Deshalb gehe ich einen kleinen Umweg.
Ich starte über einen internen Befehl (System.Exec(Dateipfad der Anwendung)) ein externes Programm. NetflixRemote dieses Programm startet dann die normale Netflix App im Vollbildmodus auf meinem HTPC und ändert das Verhalten meiner Maus so ab, dass sie auf Tastatureingaben reagiert. Das ganze Projekt und auch das Programm findet ihr hier. Die Funktionalität überzeugt nicht zu 100% aber ich habe bisher nichts besseres gefunden. Ich hoffe, dass die Netflix App von Windows bald für Tastatureingaben optimiert wird.

Update:
Mittlerweile gibt es ein neues AddOn welches Netflix direkt mittels html5 in Kodi einbindet.
Das Plugin findet ihr leicht über Kodinerds. Leider ist auch dieses Plugin noch nicht 100% ausgereift, aber schon ein sehr guter Ansatz.

Unter diesem Menüpunkt habe ich auch alle Mediatheken und YouTube zusammen gefasst. Diese lassen sich einfach als AddOn zu Kodi hinzufügen.

TV:

Unter TV versteckt sich der PVR Client. Dieser lässt sich ebenfalls als AddOn in Kodi Installieren. Wichtig ist nur das Client und Server zueinander passen. In meinem Fall TVHeadEnd HTSP Client. Unter diesem Menüpunkt kann ich nun fernsehen und meine TV Aufnahmen organisieren.

Games:

Ein weiteres AddOn, welches Steam im Big Picture Mode startet. Alle meine Spiele habe in meinen Steam Account integriert und kann die Oberfläche von Steam nach dem Starten mit der Fernbedienung mit dem Controller weiter steuern, ganz wie in einer Spielekonsole.

Wenn ich Netflix oder Steam beende lande ich wieder im Kodi. So stelle ich sicher, dass ich mit meiner Fernbedienung und dem Controller alles bedienen kann was ich brauche. Wenn ich eine DVD oder Blue Ray einlege erscheint im Kodi automatisch noch der Menüpunkt zur Wiedergabe.

Mittlerweile liegt doch eine kleine Tastatur bereit, die K400r von Logitech, welche auch ein integriertes Mauspad hat. Es hat sich über die Zeit gezeigt, dass man auch andere PC-Funktionen gerne auf dem Sofa nutzt. Deshalb gibt es noch den Menüpunkt „Minimieren“. Damit komme ich schnell auf meine Windowsoberfläche und kann dann wie gewont im Internet surfen oder Beiträge schreiben 😉

Fazit

Mit meinem HTPC und dem TV Server habe ich alle Ziele erreicht.

1. Mediacenter zur grafischen Aufbereitung und Wiedergabe von

Filmen

Serien

Bildern

Musik

2. Wiedergabe von Netflix
3. Festplatten-Receiver
4. Spielekonsole
5. Blue-Ray Player
6. alles bequem gesteuert über die Fernbedienung von der Couch aus.

zusätzlich alle Funktionen eines normalen Desktoprechner auf dem großem Bildschirm…

 

Zum Schluss fasse ich euch nochmal alle verwendeten Komponenten zusammen:

Hardware

Asrock J4205-ITX
2 x 4GB HyperX Impact DDR3L-1866
Silverstone Raven Z2
12V Netzteil 90W für PICOPSU
PICOPSU 90W
64GB ADATA Premier Pro 2.5″
2 x 3TB WD green/blue
Samsung SN-506BB/BEBE
Pi 2 (inkl. Netzteil, Gehäuse, SD Karte)
TechnoTrend TT-TVStick CT2-4400 V2
Atric IR-WakeupUSB eco v1.2
Controller CLS F210
OneForAll URC 7140
Logitech K400r
+ Kabel und Adapter zum Anschluss der Laufwerke

Software

Windows 10 Pro OEM
KODI
Event Ghost
Steam
Netflix Remote Controller